Bröderna Lejonhjärta

Die Geschichte hinter „Die Brüder Löwenherz“

Eines frühen Morgens fuhr Astrid Lindgren bei Raureif und Schneenebel mit dem Zug am See Fryken entlang, in einem rosa Licht, das so überirdisch schön war, dass Astrid das Gefühl hatte, vielleicht eine Geschichte schreiben zu müssen, die an einem Ort spielte, der nicht in dieser Welt war. Danach fügte sich ein Puzzlestück zum nächsten.

ZITAT

„Ich kann aber nicht töten‘, sagte Jonathan, ‚das weigt du doch, Orwar!‘ […]

‚Wenn alle wären wie du‘, sagte Orwar, ‚dann wurde das Böse ja bis in alle Ewigkeit herrschen!‘

Aber da sagte ich, wenn alle wären wie Jonathan, dann gäbe es nichts Böses.”

Krümel aus die Brüder Löwenherz

Die Debatte über die Brüder Löwenherz

Als Die Brüder Löwenherz im Herbst 1973 erschien, war Astrid Lindgren 66 Jahre alt und in Rente von ihrer Arbeit als Kinderbuchverlegerin. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die meisten ihrer beliebtesten Bücher geschrieben. Pippi Langstrumpf, Wir Kinder aus Bullerbü, Michel aus Lönneberga, Karlsson vom Dach, Lotta aus der Krachmacherstraße, Mio, mein Mio und Madita waren erschienen, übersetzt und auf der ganzen Welt geliebt. Nur Ronja Räubertochter kam später, das sollte noch bis 1981 dauern.

Anfang der 1970er Jahre war die Politik vom Vietnamkrieg, dem kalten Krieg und den Unabhängigkeitskämpfen in mehreren Kolonien Afrikas geprägt. Das Thema des Romans über den Widerstandskampf gegen einen Unterdrücker war so gesehen zeitgemäß. Die Erzählform ging jedoch überhaupt nicht mit der Zeit. Ein starker Linksdruck prägte den Blick auf die Kultur und insbesondere die Kinderliteratur. Kinderbücher sollten die jungen Leser über die Ungerechtigkeiten der Gesellschaft aufklären, sie sozialisieren und für den Kampf gegen die imperialistische und kapitalistische Ausbeute rüsten. Darum sollten Kinderbücher realistische Schilderungen der Probleme in der Gesellschaft sein.

In diesem politischen Klima schreibt Astrid Lindgren einen Abenteuerroman, ein romantisches und zeitloses Märchen über den Kampf zwischen Böse und Gut, über Mut und Angst, Liebe und den Tod. Und das sollte nicht ungestraft bleiben: Mehrere Kritiker fanden, dass das Buch apolitisch und politisch vereinfacht war. Die Erzählung, so wurde behauptet, war nicht realistisch und die Strukturen hinter dem Bösen und der Unterdrückung wurden nicht erklärt. Es war nicht das erste Mal, dass Astrid Lindgren einer solchen Kritik von linksradikaler Seite ausgesetzt wurde, und sie hatte wiederholt über die in der Kinderkulturwelt herrschende politische Ängstlichkeit gespöttelt.