Die Brüder Löwenherz

Eines frühen Morgens fuhr Astrid Lindgren bei Raureif und Schneenebel mit dem Zug am See Fryken entlang, in einem rosa Licht, das so überirdisch schön war, dass Astrid das Gefühl hatte, vielleicht eine Geschichte schreiben zu müssen, die an einem Ort spielte, der nicht in dieser Welt war. Danach fügte sich ein Puzzlestück zum nächsten.

Astrid ging gerne mit ihrer Freundin Elsa Olenius auf Friedhöfen spazieren, wo sie spielten, nachdachten und sich inspirieren ließen. Auf dem Norra Friedhof in Stockholm sah Astrid den Grabstein der Brüder Bernström, die beide sehr jung gestorben waren. Und auf dem Friedhof in Vimmerby las Astrid Hier ruhen die Brüder Fahlén, gestorben im zarten Alter 1860. ”Da wusste ich, dass es ein Märchen über zwei Brüder und den Tod werden würde”, hat Astrid gesagt.

Das Bild der Lieben zwischen Geschwistern konkretisierte sich völlig unerwartet bei der Ausscheidungsrunde für die Verfilmung von Michel aus Lönneberga. Astrid sah, wie der kleine Janne Olsson nach dem ganzen Rummel auf den Schoß seines großen Bruders kletterte, der sich über ihn beugte und ihn auf die Wange küsste. ”Da sah ich die Brüder Löwenherz vor mir.”

Schließlich hat Astrids jüngster Enkel ein Wort erfunden, Nan-gi, das niemand außer ihm verstand und das er häufig benutzte. Astrid begann darüber nachzudenken, wer oder was dieses Nan-gi wohl sein könnte…

Eine begehrte Astrid Lindgren bei den Dreharbeiten zu Die Brüder Löwenherz. © AB Svensk Filmindustri - Göran StrandbergEin Grab auf dem Friedhof von Vimmerby gab Astrid die Idee zur ”Geschichte vom Tod und zwei Brüdern”. Privates FotoJanne Olsson und sein Bruder inspirierten Astrid für Die Brüder Löwenherz © Thomas Löfqvist, Sydsvenskan