Die ersten Stellen

Nach dem Realschulabschluss bewarb sich Astrid bei der Vimmerby Tidning. Sie bekam eine Stelle als Volontärin und verdiente 60 Kronen im Monat. Zu ihren Aufgaben gehörte es, Telefonanrufe zu beantworten, Korrektur zu lesen, kurze Berichte und Theaterkritiken zu schreiben, Botengänge zu erledigen und Nachrufe zu verfassen.

Sie schrieb auch eine mehrteilige Reisereportage, Als Vagabund unterwegs, für die sie mit Madita und vier weiteren Freundinnen zu Fuß durch Schweden wanderte. Unterwegs besuchten sie unter anderem Ellen Key, deren radikales und meinungsbildendes Werk Jahrhundert des Kindes in Schweden sehr bekannt und in viele Sprachen übersetzt war. Wohlbehalten zurück in Vimmerby schreibt Astrid: ”Liebes kleines Vimmerby, eigentlich bist du gar keine so üble Stadt, um zurückzukehren, aber Gott bewahre uns davor, für immer hier zu bleiben.”

Vimmerby, Stockholm, Kopenhage

1926 hörte Astrid bei der Vimmerby Tidning auf und zog nach Stockholm. Sie war schwanger und wollte nicht in Vimmerby bleiben, um sich anhören zu müssen, wie sich die Leute über den Skandal mit dem unehelichen Kind das Maul zerrissen. Sie ließ sich zur Stenotypistin und Maschinenschreiberin ausbilden und bekam 1927 eine Anstellung als Sekretärin in der Radioabteilung der Schwedischen Buchhandelszentrale. Sonderlich gut bezahlt war die Stelle nicht und der magere Lohn musste für Kleider, Kost und Logi reichen. Und für die Fahrten nach Kopenhagen. Ihr Sohn Lasse lebte bei einer Pflegefamilie in Kopenhagen, bis Astrid in der Lage war, selber für ihn zu sorgen. In Gedanken war sie immer bei ihm und sie besuchte ihn, so oft es ihr nur möglich war. Um sich die Fahrkarte leisten zu können, musste sie sparen, sich Geld leihen oder auch mal etwas verpfänden. An einem Samstag, an dem sie eine Reise nach Kopenhagen geplant hatte, konnte sie keinen Urlaub einreichen, weil ihr Chef verreist war. Also nahm sie heimlich frei und hatte das extreme Pech, auf dem Weg zum Bahnhof den beiden höchsten Chefs der Firma zu begegnen. Als sie am folgenden Montag zur Arbeit kam, wartete bereits ihre Kündigung auf sie.

Hochzeit mit Sture

Es dauerte nicht lange, bis sie eine neue Stelle fand, beim Königlichen Automobil Klub, KAK, wo sie als Stenotypistin eingestellt wurde. Im KAK lernte sie auch ihren zukünftigen Ehemann kennen, den Bürovorsteher Sture Lindgren. Als sie Sture heiratete, gab sie ihre Stelle auf. Jetzt konnte sie ganz in ihrer Rolle als Mutter und Hausfrau aufgehen, nahm aber zur Aufbesserung der Haushaltskasse die eine oder andere Nebentätigkeit an, wie das Schreiben von Kurzgeschichten für die Zeitung Landsbygdens Jul.

Abteilung für Briefzensur

Ende der 30er Jahre arbeitete Astrid als Sekretärin für Harry Söderman, Dozent für Kriminologie an der Hochschule Stockholm. Er schrieb an einem Kompendium über Kriminaltechnik und diktierte Astrid, die das dort erworbene Fachwissen später in ihren eigenen Büchern nutzte – vom Meisterdetektiv Kalle Blomquist.

Im Sommer 1940 kontaktierte Harry Söderman Astrid, um ihr eine streng geheime Arbeit in der Abteilung für Briefzensur beim schwedischen Nachrichtendienst anzubieten. In ihren nicht ganz offiziellen Aufgabenbereich fiel das Lesen von Briefen ins und aus dem Ausland sowie der Militärpost. Die Briefe und ihre Arbeit vermittelten Astrid einen guten Einblick in die Leiden des Krieges, und in ihrem Tagebuch beschreibt sie 1940 Deutschland als tückisches Ungeheuer.

Sechs Bücher innerhalb von zwei Jahren

Die Lust am Schreiben resultierte in einer Reihe Bücher, die schnell hintereinander erschienen. Zwischen 1944 und 1946 schrieb Astrid sechs Kinder- und Jugendbücher. Auf das erste Buch, Britt-Mari erleichtert ihr Herz, folgte bald Pippi Langstrumpf, das Fundament für Astrid Lindgrens Schriftstellerkarriere.

Das Empfehlungsschreiben, als Astrid ihre Arbeit bei der Wimmerby Tidning beendetEine von Astrid Lindgrens Reise-Reportagen in der Vimmerby Tidning. © Anna KernStorgatan, Vimmerby 1905 © Östergötlands länsmuseumWährend des Krieges arbeitete Astrid mit Anne-Marie Fries und Birgit Skogman für den Nachrichtendienst